04. Januar 2026 Jesaja 61,1-3.10-11

Augenblick der Verwandlung

Liebe Geschwister,

  1. Januar.

Die Weihnachtsbäume stehen an den Straßenrändern. Nadeln auf dem Bürgersteig.

In den Supermärkten Restposten von Lebkuchen. Reduziert. Keiner will sie mehr.

Das neue Jahr ist vier Tage alt. Die guten Vorsätze auch. Die meisten davon schon wieder vergessen oder aufgegeben.

  1. Eine neue Zahl im Kalender.

Wenn ich ehrlich bin: Es fühlt sich genauso an wie vorher.

Die Nachrichten sind die gleichen. Krieg in der Ukraine. Gaza. Jetzt Venezuela. Klimakrise. Die üblichen Sorgen im Kopf. Die üblichen Konflikte. Der übliche Alltag wartet.

Verwandlung? Wo?

Der Augenblick

Jesaja spricht von Verwandlung.

Von Menschen, die trauern. Gefangen sind. Zerbrochen.

Ein Augenblick. Ein einziger Moment.

Asche wird zu Kopfschmuck. Trauer zu Freude. Gefangenschaft zu Freiheit.

Als würde jemand einen Schalter umlegen.

Ein Wort: Ich bin gesandt, euch eine Freudenbotschaft zu bringen.

Schon ist alles anders.

Ist es wirklich so einfach?

Jesus in Nazareth

Jesus ist dreißig. Kommt nach Hause nach Nazareth.

Die Synagoge. Die Leute kennen ihn seit er klein ist. Den Sohn vom Zimmermann.

Er liest diesen Text.

Der Geist des Herrn ist auf mir. Er hat mich gesandt, den Armen gute Nachricht zu bringen, Gefangene freizulassen, Blinden das Augenlicht zu geben.

Dann rollt er die Schriftrolle zusammen.

Alle starren ihn an.

Er sagt: Heute ist dieses Wort erfüllt. Vor euren Ohren. Jetzt. In diesem Augenblick.

Heute. In diesem Moment.

Sie haben ihn fast gesteinigt dafür.

Augenblicke, die alles ändern

Wann hast du das erlebt?

Einen Augenblick, der alles verändert hat?

Vielleicht war es ein Satz. Jemand hat etwas zu dir gesagt. Plötzlich warst du frei von deiner Angst.

Vielleicht war es eine Diagnose. Die gute Nachricht nach Wochen des Wartens.

Vielleicht war es ein Blick. Jemand hat dich gesehen. Wirklich gesehen. Du warst sichtbar.

Vielleicht war es ein Moment der Stille. Wo du gemerkt hast: Ich muss das alles tragen können.

Kleine Augenblicke. Keine Posaunen vom Himmel. Keine leuchtenden Engel.

Nur ein Wort. Ein Moment. Ein Atemzug.

Danach war nichts mehr wie vorher.

Die Verwandlung passiert jetzt

Jesaja schreibt von Terebinthen der Gerechtigkeit.

Bäume, die abgehauen waren. Tot. Vorbei.

Aus dem Stumpf wächst was Neues. Grün. Lebendig.

Das ist die Verwandlung, von der der Text spricht.

Mitten in den Trümmern keimt Leben.

Mitten im Staub blitzt Hoffnung auf.

Mitten in der Trauer wächst Kraft.

Das neue Jahr ist kein magischer Neuanfang. Kein Reset-Knopf.

Es kann ein Augenblick der Verwandlung sein.

Wenn du merkst: Ich muss so bleiben können, wie ich bin - oder ich kann mich ändern.

Wenn du spürst: Die Welt kann sich ändern.

Wenn du aufhörst zu warten, dass sich was ändert - und anfängst, selbst die Verwandlung zu leben.

Gesalbt für die Verwandlung

Der Geist des Herrn ist auf mir, denn er hat mich gesalbt.

Das sagt Jesus über sich.

Der Text meint mehr als nur ihn.

Er meint alle, die die Freudenbotschaft weitertragen. Die Zerbrochene heilen. Die Gefangene befreien. Die Trauernde trösten.

Du bist gesalbt.

Für die kleinen Augenblicke der Verwandlung.

Wenn du jemandem zuhörst, der verzweifelt ist.

Wenn du aufstehst gegen Ungerechtigkeit.

Wenn du an jemandem festhältst, den alle schon aufgegeben haben.

Wenn du hoffst, obwohl nichts dafür spricht.

Das ist der Augenblick der Verwandlung.

Heute. Vor euren Ohren. Jetzt.

Das Neue Jahr als Einladung

2026 ist vier Tage alt.

Keine Zauberzahl. Kein neues Kapitel, das automatisch besser wird.

Eine Einladung.

Zur Verwandlung.

Von Trauer zu Freude. Von Resignation zu Hoffnung. Von Asche zu Leben.

Gott sagt: Fang an. Jetzt. Heute.

Sei ein Terebinthenbaum der Gerechtigkeit.

Wachs aus dem Stumpf.

Blüh im Staub.

Trag die Freudenbotschaft weiter.

Das ist deine Berufung. Deine Salbung.

Der Augenblick der Verwandlung?

Er ist jetzt.

Amen.