Christvesper 2025
Das Gefühl / Das Ritual
[MUSIK: Wham! - “Last Christmas” - 30 Sek.]
“Last Christmas I gave you my heart…”
Kennt ihr alle. Seit Wochen im Radio. Im Supermarkt. Überall.
Wir machen Weihnachten oft an Gefühlen fest. An diesem einen Gefühl. Diesem warmen, weichen Weihnachtsgefühl.
Wir geben unser Herz an Rituale. An Traditionen. An die Atmosphäre.
Wir wollen dieses Gefühl erzwingen.
Aber: Was, wenn das Gefühl dieses Jahr nicht kommt? Was, wenn das Herz schwer ist? Was, wenn die Stimmung fehlt? Was, wenn du heute hier sitzt und gar nicht weißt, ob du überhaupt etwas spürst?
Reicht das als Anker? Das Gefühl? Das Ritual?
Die Kindheitserinnerungen / Das Drumrum
[MUSIK: Rolf Zuckowski - “In der Weihnachtsbäckerei” - 20 Sek.]
“In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Leckerei…”
Kindheit. Erinnert ihr euch? Wie es war, als ihr klein wart?
Die Küche voller Duft. Zimt. Vanille. Schokolade. Oma am Herd. Mama rollt den Teig aus. Du darfst die Plätzchen ausstechen. Sterne. Herzen. Tannenbäume.
Die Vorfreude. Die Aufregung. Die Gewissheit: Bald ist Weihnachten.
Wir machen Weihnachten an Kindheitserinnerungen fest. An dem, wie es war. Als die Welt noch einfach war. Als Weihnachten noch sicher war.
Wir versuchen, diese Erinnerungen wieder lebendig zu machen. Wir backen nach Omas Rezept. Wir schmücken wie früher. Wir singen die alten Lieder.
Als könnten wir die Zeit zurückdrehen. Als könnten wir noch einmal Kind sein.
[MUSIK: Kelly Clarkson - “Underneath the Tree” - 20 Sek.]
“You’re here where you should be Snow is falling as the carolers sing…”
Wir machen Weihnachten fest am Drumrum.
Was gehört für dich unbedingt unter den Weihnachtsbaum? Die roten Kugeln? Die Lichterkette? Der Stern an der Spitze? Das bestimmte Essen? Der Kartoffelsalat mit Würstchen? Die Gans?
Wir versuchen, es genauso zu machen wie früher. Wir brauchen das alles. Um zu spüren: Jetzt ist Weihnachten.
Aber: Oma ist nicht mehr da. Die Küche ist kalt. Die Kindheit ist vorbei. Menschen fehlen am Tisch.
Das Drumrum ist nicht mehr vollständig.
Reicht das als Anker? Die Erinnerung? Das Nachbilden von früher? Das Drumrum, das nicht mehr so ist wie damals?
Die Erwartung – An uns selbst
[MUSIK: Rolf Zuckowski - “Es schneit, es schneit” - 20 Sek.]
“Es schneit, es schneit, kommt alle aus dem Haus!”
Wir machen Weihnachten an Erwartungen fest. An Erwartungen, die wir an Weihnachten haben. Und an Erwartungen, die wir an uns selbst haben.
Es muss schneien. Es muss gemütlich sein. Es muss perfekt sein. Das perfekte Essen. Die perfekte Deko. Die perfekten Geschenke. Die perfekte Familie.
Wir erwarten von uns selbst, dass wir Weihnachten schaffen.
Und dann: Kein Schnee an Weihnachten. Das Essen verbrennt. Die Familie streitet. Die Geschenke sind falsch.
Wir machen Weihnachten an einer Kulisse fest. An einer Erwartung. Die nie erfüllt wird.
Weil das Leben unvollkommen ist. Weil wir unvollkommen sind.
Reicht das als Anker? Die Erwartung? Das Perfekte?
Die Sehnsucht nach Geborgenheit
Wir machen Weihnachten fest. An Gefühlen. An Erinnerungen. An Erwartungen. Aber am tiefsten: An der Sehnsucht nach Geborgenheit.
[MUSIK: Chris Rea - “Driving Home for Christmas” - 20 Sek.]
“Driving home for Christmas…”
Wir fahren alle irgendwohin. Nach Hause. Zur Familie. Zu den Wurzeln.
Wir suchen einen Hafen. Einen Ort zum Festmachen. Einen Ankerplatz.
Wir sehnen uns nach einem Ort, wo wir ankommen können. Wo wir nicht mehr stark sein müssen. Wo wir nicht mehr funktionieren müssen.
Ein Ort, wo wir einfach sein dürfen.
Wir fahren nach Hause. Weil dort dieser Ort ist. Weil dort diese Menschen sind. Weil dort Geborgenheit ist.
Aber: Was ist, wenn das Zuhause verkauft ist? Was ist, wenn die Familie zerbrochen ist? Was ist, wenn der Ort nicht mehr existiert?
Wir merken: Man kann nicht nach Hause fahren, wenn es kein Zuhause mehr gibt.
[MUSIK: Mariah Carey - “All I Want for Christmas Is You” - 20 Sek.]
“I don’t want a lot for Christmas There is just one thing I need…”
Am Ende geht es nicht um die Geschenke. Nicht um die Deko. Nicht um das Perfekte.
Es geht um jemanden.
Jemanden, der da ist. Jemanden, bei dem wir sein dürfen. Jemanden, der uns hält.
Wir sehnen uns nicht nach Dingen. Wir sehnen uns nach Beziehung. Nach Nähe. Nach Geborgenheit.
“All I want for Christmas is you.”
Du. Ein Mensch. Ein Gegenüber. Jemand, der mich sieht.
Wir machen Weihnachten fest an dieser Sehnsucht. An der Sehnsucht nach jemandem, der da ist.
Reicht das als Anker? Die Sehnsucht nach Geborgenheit? Die Sehnsucht nach jemandem, der vielleicht nicht da ist?
Die Antwort
Wir machen Weihnachten fest. An Gefühlen. Die kommen und gehen. An Erinnerungen. Die verblassen. An Erwartungen. Die enttäuscht werden. An Geborgenheit. Die verloren geht.
Alles vergänglich. Alles unsicher. Alles brüchig.
Aber: Wir dürfen festmachen.
[MUSIK: John Lennon - “Happy Xmas / War is over” - 30 Sek.]
“War is over, if you want it…”
Frieden ist möglich.
Schaut auf euer Herz-Anker-Kreuz.
Das Kreuz.
Das Kreuz sagt: Ich bin da, wo es wehtut. Wo Erinnerungen nicht mehr tragen. Wo Erwartungen zerbrechen. Wo Geborgenheit verloren geht.
Gott ist nicht nur da, wo alles schön ist. Gott ist gerade da, wo es wehtut.
Das Herz.
Das Herz sagt: Du bist geliebt. So wie du bist. Mit deinem Unperfekten. Mit deinem Zerbrochenen. Mit deiner Sehnsucht.
Ungefähr genauso wie ein Kind in einem Stall.
Ein Kind.
Nicht im Palast geboren. Im Stall. Nicht in Seide gewickelt. In einfache Windeln. Nicht in ein Bett gelegt. In eine Futterkrippe.
Gott kommt zu uns als Kind. Verletzlich. Klein. Unperfekt.
In eine stürmische Welt. In eine raue Welt. In eine unperfekte Welt.
Genau wie wir.
Der Anker.
Der Anker sagt: Hier darfst du festmachen.
Nicht an deinen Gefühlen. Nicht an deinen Erinnerungen. Nicht an deinen Erwartungen. Nicht an deiner Sehnsucht.
Sondern bei Gott. Bei dem Kind in der Krippe.
Hier ist der Ankerplatz.
Gott macht fest bei uns. Nicht im Perfekten. Im Unperfekten. Nicht dort, wo alles glänzt. Dort, wo es dunkel ist.
Im Stall.
Bei Maria und Josef, die keinen Platz finden. Bei einem Kind, das in eine Futterkrippe gelegt wird. Bei Hirten, die am Rand stehen.
Da macht Gott fest.
Und er sagt: Hier darfst auch du festmachen. Bei mir. Bei diesem Kind. In dieser unperfekten Welt.
Gott ist der Anker, der hält.
Gott kommt. Als Kind. In die unperfekte Welt. Gott bleibt. Im Stall. Bei denen, die keinen Platz finden. Gott hält. Der Anker. Für dich.
Immer.
Amen.