Gottes Ja zu uns
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.
Ja und Amen
Ja.
Zwei Buchstaben. Das kürzeste Bekenntnis der Welt.
Ja, ich will. Ja, ich komme. Ja, ich stehe dazu.
Und manchmal wenig später dann: Nein. Doch nicht. Kam was dazwischen.
Manchmal sagen Menschen Ja und meinen Vielleicht. Sagen Vielleicht und meinen Nein. Manchmal: Frag später noch mal.
In gewisser Weise ist die Welt unverbindlich geworden. Wischbar. Zusagen unter Vorbehalt.
Das ist keine Anklage. Auch ich halte mir manchmal im Privaten Optionen offen. Binde mich nicht zu früh. Ich möchte flexibel bleiben.
Aber die selbstkritische Frage ist: Worauf kann man sich dann noch verlassen?
Paulus
Paulus kennt das Problem. Aus eigener Erfahrung.
Er hatte der Gemeinde in Korinth versprochen zu kommen. Er kam nicht.
Die Gemeinde wartet. Fragt: Was ist dein Wort noch wert?
Die Korinther sind sauer. Schreiben ihm: Was ist dein Wort noch wert? Du sagst Ja und meinst Nein.
Und Paulus schreibt zurück. Aber er rechtfertigt sich nicht. Er macht etwas anderes:
Er schreibt über die Verlässlichkeit Gottes:
„Auf Gott ist Verlass, und deshalb ist unser Wort an euch kein Ja und Nein zugleich. Denn Gottes Sohn, Jesus Christus, der von uns unter euch verkündigt wurde, durch mich, Silvanus und Timotheus, existierte nicht als Ja und Nein zugleich, sondern in ihm wurde das Ja Wirklichkeit.
Denn wie viele Verheißungen Gottes es auch gibt – in ihm sind sie bejaht. Darum sagen wir auch durch ihn das Amen: Es werde wahr, auf dass Gott aufstrahle.
Gott salbt uns für unsere Aufgabe und stärkt uns im Gesalbten zusammen mit euch. Gott hat uns das Siegel der Zugehörigkeit aufgedrückt und uns die Geistkraft als eine Anzahlung in unsere Herzen gegeben."
Paulus schreibt: Auf Gott ist Verlass. Durch Christus wird es offenbar.
Das Ja war in ihm. Nicht: Jesus hat mal Ja gesagt. Sondern: Das Ja war in ihm. Sein Wesen. Seine Mitte.
Alle Verheißungen Gottes – in Christus ist das Ja.
Paulus erklärt das mit einem Bild aus dem Geschäftsleben:
Wer damals Getreide kaufte, das noch auf dem Feld stand, zahlte an. Tätigte eine Anzahlung. Das band beide Seiten. Das war rechtlich einklagbar.
Gott hat angezahlt, schreibt Paulus. Den Geist gegeben. Als Garantie.
Eine Verheißung mit Erfüllungsgarantie.
Gott sagt nicht: Vielleicht. Gott hält sich keine Optionen offen. Gott sagt Ja. Und steht dazu.
Amen
Und dann kommt im Text das entscheidende Wort: Amen.
„Darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe."
Luther übersetzt: Amen heißt – Ja, es werde wahr. Ja, so sei es. Ja, darauf verlasse ich mich.
Amen ist keine Schlussformel. Amen ist Bekenntnis.
In zwei Richtungen:
Es heißt nach außen: Gott, ich verlasse mich auf dein Wort.
Nach innen: Ich stehe dazu. Ich halte fest daran.
Die Pointe
Und hier liegt für mich heute die Pointe:
Wer zu Gottes Ja Amen sagt, sagt damit auch Ja zu dem, was Gott will.
Jesus formuliert das in der Bergpredigt radikal: Eure Rede sei Ja, ja; nein, nein.
Das klingt einfach. Ist aber radikal konsequent. Und aufrichtig.
Ein Ja braucht Verbindlichkeit. Ohne Verbindlichkeit in der Beziehung kein Vertrauen. Ein Ja braucht Konsequenz.
Gottes Ja ist verbindlich. Es gilt allen Menschen, seine Versprechen allen, die ihn suchen und in ihrem Handeln nach ihm fragen.
Wenn Gott Ja sagt zu uns Menschen – zu allen Menschen – dann trägt dieses Ja eine Verheißung in sich.
Eine Verheißung davon, wie Gott sich die Welt vorstellt. Eine Welt, die diesem Ja entspricht.
Und wenn wir zu Gottes Ja Amen sagen, dann sagen wir damit auch: Ja und Amen zu seiner Verheißung.
Konkret werden
Lassen Sie mich konkret werden.
Wenn Gott zum Menschen Ja sagt – dann sage ich:
Ja und Amen zu einer Gesellschaft, in der alle willkommen sind. Unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Ja zu einer Gesellschaft, die Grenzen nicht höher baut, sondern Brücken schlägt.
Ja und Amen zu einer Schöpfung, die kultiviert und bewahrt werden will. Zu einer Welt, in der wir nicht auf Kosten künftiger Generationen leben. Zu einer Erde, die auch für unsere Enkelkinder lebenswert und lebensdienlich ist.
Ja und Amen zu einer Wirtschaft, die dem Menschen dient und nicht umgekehrt. In der Gesundheit, Bildung und Wohnen nicht nach Geldbeutel verteilt werden. In der Würde wichtiger ist als Profit.
Ja und Amen zu einem Miteinander, das nicht spaltet. Das nicht “wir” gegen “die” sagt. Das Unterschiede nicht als Bedrohung sieht, sondern als Bereicherung.
Ja und Amen zu einer Kirche, die Türen öffnet statt sie zu bewachen. Die Gottes Ja zu allen Menschen ernst nimmt – und Menschen willkommen heißt.
Ja und Amen zu einer Sprache, die aufbaut statt niederzureißen. Die Hoffnung stiftet statt Angst zu schüren. Die verbindet statt zu spalten.
Ja und Amen zu einem Leben, in dem die Schwachen geschützt werden. Frauen, Kinder, Menschen mit und ohne Behinderungen, Alte, Kranke, Sterbende. In dem Stärke sich daran zeigt, wie wir mit den Schwächsten umgehen.
Ja und Amen zu Verbindlichkeit. Zu Menschen, die zu ihrem Wort stehen. Die nicht alles unter Vorbehalt stellen. Sondern die sagen: Ja, ich bin dabei. Und ich bleibe dabei. Ich setze mich ein und ich binde mich, verbinde mich.
Für mich ist das die Konsequenz aus Gottes Ja. Was ist es für Dich?
Advent
Advent. Vier Kerzen brennen.
In drei Tagen feiern wir Weihnachten, feiern, dass Gottes Ja immer wieder neu in die Welt geboren wird.
Noch aber Adventszeit.
Advent heißt: Wir leben von Zusagen, die wir nicht machen können. Und von Verheißungen, die noch ausstehen.
Alle Verheißungen Gottes – nicht einige, nicht die schönen, nicht die leicht zu glaubenden – alle haben in Christus ihr Ja.
Jesus ist Gottes entschiedenes Wort gegen das Schweigen.
Gottes Widerspruch gegen die Hoffnungslosigkeit.
Gottes Ja gegen alles Nein, das sich in unser Leben eingeschrieben hat.
Und dieses Ja ist nicht abstrakt. Es hat einen Körper. Einen Atem. Eine Geschichte.
Es ist ein Kind in der Nacht. Ein Mann auf staubigen Straßen. Ein Körper am Kreuz.
Das Ja Gottes klingt nicht triumphal. Es klingt verletzlich. Angreifbar. Widerständig.
Das Kind
Advent: Warten auf ein Kind.
Mit Händen. Mit einem ersten Schrei. Mit Wünschen und Sehnsüchten und einem Auftrag.
Mit unendlich viel Liebe für alles Lebendige. Für alle, die auf Erlösung und auf Rettung, auf Frieden im Sinne des Shalom hoffen.
Gott kommt selbst. Gott wird Mensch. Gott bindet sich. Und verbindet sich mit Dir:
Jesus, der „Christus" ist Gottes Gesalbter. Sichtbar gezeichnet: Gesegnet, gestärkt, beauftragt und begleitet.
Und auch wir sind Gesalbte: Gesegnet, gestärkt, beauftragt und begleitet.
“Gott hat ein Zeichen gesetzt”, schreibt Paulus. “Wir gehören zu ihm. Gott hat uns jetzt schon seine Geistkraft gegeben. Er ist in unseren Herzen.”
Wir stehen drei Tage vor Weihnachten. Die Welt ist nicht still geworden.
Und Gottes Ja trägt all dem, was ist, zum Trotz, weil Gott sich bindet. Weil Gott sich festlegt – immer wieder.
Weil Gott sagt: Ich bin nicht unentschieden über Dich. Nicht über diese Welt. Nicht über dein Leben.
Nicht alles ist hell. Aber Advent heißt: Ein Licht hat sich festgelegt, in dieser Dunkelheit zu bleiben.
Gott steht zu seinem Wort. Gott ist nicht Ja und Nein. Gott ist Ja.
Und Du bist mit diesem Ja verbunden, verbindest Dich durch Dein Amen.
Einladung
Darum kurz vor Weihnachten eine Einladung:
Leb aus dem Ja. Bleib dabei. Binde Dich an das Gute.
Sprich dein Amen nicht als Pflicht, sondern als Antwort.
Behutsam. Frei. Mutig.
Ja und Amen zu Gottes Ja.
Ja und Amen zu der Welt, die er sich vorstellt.
Ja und Amen zu Deiner Verantwortung.
Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.