Batman, Joker und die Frage nach dem Guten
Liebe Geschwister,
heute geht es um Superhelden. Aber nicht um die strahlenden, makellosen Helden der Comics. Heute geht es um den dunkelsten von allen: Batman. Einen Mann, der selbst im Schatten lebt, um andere ins Licht zu führen.
Batman fasziniert mich, weil er zeigt: Man muss nicht perfekt sein, um Gutes zu tun. Er ist kein Gott, kein Alien, er hat keine Superkraft. Batman ist ein gebrochener Mensch mit viel Geld und einer Entscheidung: Seine Wunden zu Waffen gegen das Unrecht zu machen.
Und heute geht es auch um seinen größten Gegenspieler: Den Joker. Der fasziniert mich fast noch ein bisschen mehr. Vielleicht weil das Böse immer schon eine besondere Anziehungskraft auf uns Menschen hat. Einen Mann, der den umgekehrten Weg ging. Der aus seinem Schmerz Chaos machte. Der die Welt brennen sehen will, weil sie ihn hat brennen lassen.
Beide stehen für eine Wahrheit, die uns als Christen beschäftigen sollte: Jeder Mensch trägt die Möglichkeit zu beidem in sich. Zu großer Liebe und zu großem Hass. Die Frage ist: Wofür entscheiden wir uns?
Gotham und Ninive - Von der Bibel zu Batman
Batman und Joker kämpfen gegeneinander in Gotham City. Die dunkelste Stadt Amerikas. Korrupt, gewalttätig, hoffnungslos. Kennen wir aus der Bibel, oder?
Ninive. Die große Stadt, die Gott zerstören will. Eine Stadt voller Gewalt und Ungerechtigkeit. Eine Stadt, die einen Propheten braucht - oder einen Rächer.
Jona soll nach Ninive und Buße predigen. Batman kommt nach Gotham und kämpft gegen das Verbrechen.
Gotham ist überall. Gotham ist jede Stadt, in der Menschen leiden. Gotham ist unsere Welt, wenn sie am dunkelsten ist. Und in diese Dunkelheit kommt er: der dunkle Ritter.
Batman - Retter oder Rächer?
Batman ist kein normaler Superheld. Er kann nicht fliegen, ist nicht unsterblich, hat keine Superkraft. Batman ist ein Mensch, der eine Entscheidung getroffen hat.
Bruce Wayne verliert seine Eltern. Nicht durch Krebs oder Unfall - sie werden ermordet. Vor seinen Augen. Von einem Straßenräuber. Ein achtjähriger Junge sieht seine Welt zerbrechen.
Was macht er? Er könnte sich in seinen Reichtum zurückziehen. Könnte Therapie machen. Könnte ein normales Leben führen. Stattdessen wird er zu Batman.
Batman lebt in den Schatten von Gotham. Er kommt nachts. Er jagt Verbrecher. Er kämpft gegen Korruption, gegen Gewalt, gegen die Dunkelheit seiner Stadt.
Viele verehren ihn dafür. Er ist ihr Retter. Ihr dunkler Engel. Der Schutzpatron der Schwachen.
Andere verurteilen ihn. Denn auch seine Mittel sind die Gewalt. Er schlägt Menschen zusammen. Er bricht Gesetze. Er nimmt sich das Recht, Richter und Henker zu sein.
Ist Batman ein Held oder ein Verbrecher? Ein Retter oder ein Rächer?
Die unbequeme Wahrheit: Er ist beides.
Joker - Das Spiegelbild
Arthur Fleck. Auch er fasziniert mich, obwohl er das Böse verkörpert. Oder gerade deshalb.
Arthur ist ein gescheiterter Comedian. Wird gemobbt, geschlagen, übersehen. Hat psychische Probleme. Lebt mit seiner kranken Mutter. Träumt davon, Menschen zum Lachen zu bringen.
Aber die Welt lacht nicht mit ihm. Sie lacht über ihn.
Bis er eine Entscheidung trifft. Wenn das Leben ein schlechter Scherz ist - dann wird er zur Pointe. Arthur wird zum Joker.
Der Joker ist pure Anarchie. Er will keine Macht, kein Geld, keine Kontrolle. Er will nur eins: Die Welt brennen sehen. Weil sie ihn hat brennen lassen.
Die unbequeme Wahrheit
Je tiefer man in diese Geschichten einsteigt, desto klarer wird: Batman und Joker sind sich erschreckend ähnlich.
Beide sind obsessiv. Beide sind einsam. Beide sind von ihrem Trauma gefangen. Beide haben die Grenzen der Normalität überschritten. Beide leben außerhalb der Gesellschaft, die sie geprägt hat.
Der Joker sagt die Wahrheit: “Du bist wie ich.” Beide sind Freaks. Beide passen nicht in die normale Welt.
Was sie unterscheidet, ist ihre Antwort auf den Schmerz.
Batman kämpft gegen das Chaos. Joker umarmt es. Batman will Ordnung schaffen. Joker will sie zerstören. Batman glaubt noch an etwas. Joker glaubt an nichts mehr.
Aber beide leben in demselben Grau. In diesem Grau zwischen Gut und Böse. In diesem Grau leben auch wir.
Paulus und das Böse
Paulus schreibt an die Römer:
“Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.”
Kennt Paulus Batman? Natürlich nicht. Aber er kennt das Problem.
Was tun, wenn das Böse triumphiert? Wenn die Ungerechtigkeit gewinnt? Wenn die Welt brennt?
“Rächt euch nicht selbst, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes.”
Paulus sagt: Überlasst die Rache Gott. Nicht, weil Rache falsch wäre. Sondern weil Rache euch zerstört.
Batman rächt sich. Jede Nacht. Und jede Nacht stirbt ein Stück mehr von Bruce Wayne. Der Joker rächt sich an der ganzen Welt. Und verliert dabei seine Menschlichkeit.
Rache macht uns zu dem, was wir bekämpfen.
Das Böse mit Gutem überwinden
“Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.”
Das klingt naiv. Fast lächerlich angesichts der Brutalität dieser Welt. Gutes tun, wenn andere Bomben werfen?
Aber Paulus meint nicht: Sei nett und hoffe auf das Beste. Er meint: Brich den Kreislauf.
Das Böse funktioniert nach einem Prinzip: Es zieht andere mit hinein. Gewalt erzeugt Gewalt. Hass erzeugt Hass. Der Joker will genau das: Beweisen, dass alle so sind wie er. Dass jeder zum Monster werden kann.
Gutes zu tun ist Widerstand. Nicht naiver Idealismus, sondern radikaler Widerstand gegen die Logik des Bösen.
Die Entscheidung
Am Ende steht eine Entscheidung.
Bruce Wayne steht am Grab seiner Eltern. Er könnte hassen. Er könnte aufgeben. Er könnte selbst zum Joker werden.
Er entscheidet sich anders.
Nicht für ein perfektes Leben. Nicht für ein harmloses Leben. Sondern für den Kampf. Mit allen Widersprüchen. Mit allen Schattenseiten.
Batman ist kein Heiliger. Aber er kämpft auf der richtigen Seite.
Wir alle stehen vor dieser Entscheidung. Jeden Tag.
Was machen wir mit unserem Schmerz? Mit unserer Wut? Mit der Ungerechtigkeit, die wir erleben?
Werden wir zu Jokers? Die die Welt brennen sehen wollen?
Oder zu Batmans? Die in den Schatten kämpfen, damit andere im Licht leben können?
Oder vielleicht - und das wäre der christliche Weg - werden wir zu Menschen, die das Böse mit Gutem überwinden. Die den Kreislauf der Gewalt durchbrechen. Die nicht rächen, sondern heilen.
Das ist die Entscheidung. Heute. Jetzt. In diesem Augenblick.
Amen.