Jung genug für Großes
Liebe Gemeinde, liebe Kinder, liebe Familien,
“Jung genug für Großes” - das ist unser Thema heute.
In wenigen Tagen fahre ich mit 40 Jugendlichen auf Jugendreise ins Hugenottengebiet, in die Camargue in Frankreich. 40 junge Menschen zwischen 13 und 17 Jahren. Mein Team und ich haben die letzten zwei Tage intensiv geplant und uns gefragt: Was beschäftigt diese jungen Menschen?
Ich mache das nun schon seit über 20 Jahren, solche Reisen. Und ich staune jedes Jahr wieder darüber: wie viel diese jungen Menschen wollen, wie viel sie über die Welt nachdenken, was sie alles zu erzählen haben, wie viel Mut und Kraft sie haben, etwas zu ändern. Wenn wir sie lassen.
Aber ich erlebe auch das Gegenteil: dass sie sich oft klein gemacht fühlen. Nicht gesehen, nicht gehört, nicht ernst genommen. Obwohl wir sie an anderen Stellen immer älter machen, als sie eigentlich sind. “Du bist noch zu jung dafür!” auf der einen Seite - und auf der anderen Seite erwarten wir von ihnen, dass sie schon alle Antworten haben.
Gott denkt anders. Ganz anders. Er sagt zu dem jungen Jeremia: “Sage nicht: Ich bin zu jung!” Nicht: “Warte noch ein paar Jahre.” Nicht: “Sammle erst mal Erfahrungen.” Sondern: “Sage nicht: Ich bin zu jung!”
Gott traut jungen Menschen Unmögliches zu
Jeremia ist jung, als Gott ihn beruft. Prophet soll er werden! Er soll den Menschen sagen, was sie nicht hören wollen. Er soll aufstehen gegen Ungerechtigkeit. Er soll Könige kritisieren und Mächtige herausfordern.
Und Jeremia? Der sagt das, was wir alle sagen würden: “Ich bin zu jung!” Völlig verständlich, oder? “Lass mich erstmal erwachsen werden. Lass mich Erfahrungen sammeln.”
Aber Gott sagt: “Sage nicht: Ich bin zu jung!” Nicht: “Du hast recht, warte noch ein paar Jahre.” Sondern: “Jetzt! Du jetzt! Genau du bist alt genug für das, was ich mit dir vorhabe.”
Und dann sagt Gott: “Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir.” Gott gibt nicht nur den Auftrag. Er gibt auch das Zutrauen, die Kraft, den Schutz.
Aber trauen WIR jungen Menschen das zu? Meine eigenen Söhne, 2 und 4 Jahre alt, überraschen mich immer wieder mit ihren Weisheiten. Sie sehen manchmal klarer als wir Erwachsenen, stellen die Fragen, die wirklich wichtig sind.
Junge Menschen erkennen den wahren Schatz
Die Gleichnisse von heute erzählen von Menschen, die erkannt haben, was wirklich wertvoll ist. Der eine findet einen Schatz im Acker und verkauft alles, um diesen Acker zu kaufen. Der andere entdeckt die kostbare Perle und gibt alles dafür hin.
Was mich fasziniert: Beide zögern nicht. Beide erkennen sofort: Das ist es! Dafür lohnt es sich, alles zu geben.
Das ist so typisch für junge Menschen! Sie haben noch diesen unverstellten Blick dafür, was wirklich wichtig ist. Sie sind bereit, alles zu geben für das, wovon sie überzeugt sind.
Wir Älteren haben oft gelernt zu rechnen. Wir fragen: “Lohnt sich das?” “Ist das realistisch?” “Was werden die Leute sagen?”
Junge Menschen fragen anders: “Ist das richtig?” “Ist das wichtig?” “Müssen wir das nicht tun?”
Paulus macht es vor: Eine große Lebenswende
Aber - und das ist das Wunderbare an unserem heutigen Predigttext aus dem Philipperbrief - es ist auch nie zu spät für eine Kehrtwende.
Paulus war kein Teenager mehr, als er Christ wurde. Er war ein Mann mit Lebenserfahrung, mit einer beeindruckenden Karriere. “Pharisäer”, “untadelig nach dem Gesetz” - so beschreibt er sich selbst. Ein Mann, der wusste, wo er stand und wohin er wollte.
Und dann begegnet er Jesus. Und plötzlich stellt er seine ganze Gewinn-Verlust-Bilanz auf den Kopf: “Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet.” Er schreibt das aus dem Gefängnis! Ein alter Mann, gefangen, der nicht weiß, ob er den nächsten Tag erlebt.
Und trotzdem sagt er: “Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist.” Hören Sie diese Sprache? Das ist die Sprache von jemandem, der jung geblieben ist. Der noch träumen kann, der noch Pläne macht, der noch glaubt, dass Gott etwas Neues anfangen kann.
Gott macht uns jung
Gott selbst es ist, der uns jung macht. Nicht wir müssen uns anstrengen, jung zu bleiben. Gott macht uns jung.
Gott ist es, der Jeremia den Mut gibt. Gott ist es, der die Augen öffnet für den Schatz und die Perle. Gott ist es, der Paulus neue Prioritäten schenkt.
Gott macht uns jung genug für das, was er mit uns vorhat. Das kann bedeuten: Er öffnet uns die Augen für neue Aufgaben, auch im Alter. Er schenkt uns Mut für Veränderungen, auch wenn wir schon viel erlebt haben. Er lässt uns staunen und träumen, auch wenn wir schon vieles gesehen haben.
Das Schönste an all diesen Geschichten ist: Gott sieht uns anders, als wir uns oft selbst sehen. Wo wir sagen “zu jung” oder “zu alt”, “zu unerfahren” oder “zu festgefahren”, da sagt Gott: “Genau richtig für meine Pläne!”
Er sieht das Potenzial in dem jungen Jeremia. Er sieht die Weisheit in den einfachen Menschen, die seine Schätze entdecken. Er sieht die Kraft in jedem von uns.
Jung genug für Großes - das sind wir alle, wenn wir darauf vertrauen, dass Gott uns gebrauchen kann. Nicht irgendwann, wenn wir perfekt sind. Sondern jetzt, so wie wir sind.
Amen.