Neulich auf einem Kindergeburtstag, dieses Chaos: zu laut, zu viel Kuchen, irgendwo weint einer. Mittendrin mein Sohn, fünf Jahre alt, mit einer Tüte Gummibärchen. Er fängt an, sie zu verteilen. Geht zu jedem hin, reicht die Tüte herum, bis nichts mehr drin ist. Wahllos, fröhlich, an alle. Auch das letzte rote, das er eigentlich am liebsten mag.
Ich werde daneben ganz nervös. „Heb dir doch was auf! Du musst doch nicht alles verschenken!” - will ich sagen. Sage ich aber zum Glück nicht.
Denn da merke ich: Das Rechnen bringen wir Kindern erst bei. Kinder geben einfach. Weil Geben Spaß macht. Weil das Gesicht des anderen schön wird, wenn er etwas bekommt. Irgendwann lernen wir das Abwägen: Was habe ich nachher noch? Was springt für mich raus? Mit Aufrechnen geht ein Stück Leichtigkeit verloren.
Ich glaube, Großzügigkeit steckt in uns allen. Wir haben sie uns nur abtrainiert. Es wird Zeit, dass wir sie wieder lernen — von unseren Kindern. Unsere Welt hat es bitter nötig. Und ich auch. Gott ist uns da voraus: großzügig mit uns, jeden Tag, ganz ohne zu rechnen. Oder gar aufzurechnen.
Erschienen in der Dithmarscher Landeszeitung