Menschen finden sich heute oft nicht mehr zusammen, weil sie etwas teilen – einen Glauben, eine Hoffnung, ein Ziel. Sondern weil sie teilen, wem sie alles nicht mehr trauen. So nennt die Soziologie, was gerade um sich greift: Misstrauensgemeinschaften.
„Denen da oben” nicht. Den Medien nicht. Der Wissenschaft nicht. Manchmal nicht einmal mehr der Nachbarin.
Manche machen daraus ein politisches Geschäftsmodell. Das Misstrauen wird zur Heimat. Und die Heimat wird eng.
Dabei ist Misstrauen nicht grundsätzlich falsch. Eine Demokratie braucht Bürgerinnen, die nachfragen, die kontrollieren. Misstrauen ist ein Korrektiv.
Aber wenn es das Einzige wird, was uns verbindet, kippt etwas. Eine Gesellschaft, die nur im Dagegen zusammenhält, wird kalt. Sie wird enger, härter, ärmer. Misstrauen bewegt nichts. Es bleibt beim Dagegen.
Das Evangelium erzählt davon, dass die anderen zuerst Geschwister sind. Der erste Reflex von Jesus ist Vertrauen. Er traut Zachäus zu, dass er sich ändert. Er traut dem Hauptmann zu, dass sein Glaube trägt. Und genau dieses Vertrauen macht etwas möglich: Bewegung. Wandlung. Anfang.
Erschienen in der Dithmarscher Landeszeitung