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Mittendrin · 24.12.2025

Zumutung – und Einladung

In diesem Jahr hat mich diese Frage nicht losgelassen: Wo würde Jesus heute geboren? Ich frage mich das, weil die Weihnachtsgeschichte keine nostalgische Erzählung von früher ist. Sie ist eine Provokation für heute. Gott wird Mensch – aber nicht im Palast. Nicht in unseren Kirchen und warmen Stuben.

Sondern im Stall.

Im Dunklen, im Kalten, im Außen.

Und darum frage ich mich: Wo würde Jesus heute geboren? Im Einkaufszentrum am 24. Dezember, wo Maria zwischen Drogerie und Ausgang zusammenbricht? In der Notaufnahme um 3 Uhr nachts, wo kein Kreißsaal frei ist? In der Turnhalle, wo 200 Geflüchtete auf Feldbetten schlafen? Im Keller in der Ukraine, während draußen Bomben fallen? Auf dem Parkplatz zwischen Supermarkt und Tankstelle? Oder im Wohnzimmer zwischen Gans und Großfamilie?

Warum glaube ich das? Weil Gott dahin kommt, wo Menschen keinen Platz haben oder finden. Er kommt zu denen, die nicht passen. Zu den Einsamen. Den Verlassenen. Den Vergessenen. Den Geflüchteten. Den Suchenden.

Die Weihnachtsgeschichte ist keine Idylle. Sie ist eine Zumutung.

Aber auch eine Einladung: Die Türen zu öffnen. Die Herzen aufzumachen. Den Tisch zu decken. Platz zu schaffen. Nicht nur für die Nächsten. Für alle.

Dann wird Weihnachten.

Erschienen in der Dithmarscher Landeszeitung