Die letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der unmenschlichen Gräueltaten des NS-Regimes sterben. Die, die sagen können: “Ich war dabei. Ich habe es gesehen.” Ihre Stimmen verstummen.
Und genau jetzt schreien andere, verpacken alte Ideologien neu und rufen vom “Schlussstrich!” von “Remigration!” und die alte Parole: “Deutschland den Deutschen!”
Sie warten auf das Vergessen. Sie rechnen damit, dass mit den letzten Zeuginnen und Zeugen auch die Erinnerung stirbt.
Am Volkstrauertag tritt uns Hiob entgegen. Hiob wusste: Menschenleben sind kurz. Wie eine Blume, die morgens blüht und abends welkt. Wie ein Schatten, der vorüberzieht. Aber ihre Geschichten sind nicht kurz. Ihre Geschichten überdauern und mahnen.
Eine Auszeit vom Erinnern können wir uns nicht leisten. Nicht jetzt. Nicht, solange Hass und Hetze die Gräber der Opfer für ihre Propaganda plündern wollen. Nicht, solange Geschichte umgedeutet und entstellt wird.
So wie Hiob Gott zurief ‘Denk an mich!’, rufen uns die Toten zu: Erinnert euch! Am Volkstrauertag werden wir daran gemahnt: Eine Zukunft in Frieden gibt es nur, wenn wir nicht vergessen. Schweigt nicht! Und fragt nach den Geschichten - in euren Familien, in euren Dörfern.
Erschienen in der Dithmarscher Landeszeitung