Die NFL ist wieder da. Sonntagnacht, zwei Uhr, ich sitze vor dem Fernseher und schaue zu, wie sich 22 Männer in Ritterrüstung systematisch zerlegen. Warum fasziniert mich das eigentlich so?
Ich kenne viele, die das schauen, und oft wird gesagt: „Das ist so taktisch!” Stimmt auch. Aber ich glaube, darum geht’s nicht. Ich warte auf die harten Hits. Ich will sehen, wenn der Quarterback umfliegt. Es geht um reglementierte Gewalt. Vier mal 15 Minuten. Klare Regeln.
Und am Ende gibt es einen Sieger. Immer. Touchdown oder nicht. Sieg oder Niederlage. Held oder Verlierer. Keine Grauzonen.
Ich brauche das offenbar. Diese Klarheit. Mein Leben ist ja schon voller Grauzonen. Wer hat Recht? Kompliziert. Wer ist schuld? Schwer zu sagen. Hab ich richtig gehandelt? Keine Ahnung.
Vielleicht brauche ich deswegen diese simplen Geschichten.
Gottes Welt ist eine andere. Gott lebt in den Grauzonen meines Lebens. Genau da, wo ich selbst nicht weiterweiß. Mitten in meinen Fragen, meinen Zweifeln. Aber mit einer Verheißung: Am Ende wird die Liebe nicht verlieren.
Erschienen in der Dithmarscher Landeszeitung