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Wort zum Sonntag · 04.01.2025

Raus! – Von der Kunst des Prüfens und Behaltens

“Raus damit!” - Wie oft sagen wir das im Alltag? Beim Frühjahrsputz, wenn wir endlich den Keller entrümpeln. Bei einer ehrlichen Aussprache, wenn lange Ungesagtes endlich ausgesprochen werden muss. Beim Ausmisten unserer Seele, wenn alte Verletzungen uns belasten.

Die Jahreslosung 2025 “Prüft alles und behaltet das Gute” lädt uns ein, genauer hinzuschauen: Was darf bleiben? Was muss raus? Das griechische Wort für “prüfen” - dokimazein - wurde beim Münzprüfen verwendet. Der Münzprüfer schlug die Münze an und hörte am Klang, ob sie echt war. Ein sinnliches Bild: Prüfen bedeutet nicht nur intellektuelles Abwägen, sondern auch ein Hören auf den “Klang” der Dinge in unserem Leben.

Das “Raus” kann dabei befreiend sein. Wenn wir uns von toxischen Beziehungen lösen. Wenn wir überholte Denkmuster ablegen. Aber das “Raus” ist kein Selbstzweck. Es schafft Raum für das Gute, das bleiben soll. Für die tragenden Beziehungen. Für die Traditionen, die uns nähren. Für den Glauben, der uns trägt.

Am Ende steht nicht die leere Wohnung, sondern der gut sortierte Lebensraum. Nicht die Beziehungslosigkeit, sondern die tragfähige Gemeinschaft. Nicht die Traditionsvergessenheit, sondern der lebendige Glaube. “Raus damit!” - ja. Aber mit Bedacht. Mit Unterscheidungskraft. Mit Liebe zum Guten, das bleiben darf. Und mit Vertrauen, dass das Gute wächst - oft leise und unscheinbar, aber beständig.

Erschienen in der Dithmarscher Landeszeitung